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Eine
Ehe bzw. eine eheähnliche Beziehung muss heutzutage für Unglaubliches
herhalten: Ewige Liebe und guten Sex, unbedingte Gleichberechtigung und
Gerechtigkeit in Bezug auf Rechte und Pflichten, grenzenloses
Vertrauen, Harmonie und Selbstverwirklichung und dazu noch das ganz
große individuelle und gemeinsame Glück.
Unzählige Ratgeber versehen uns mit Ratschlägen, wie wir alle
unsere Vorstellungen und Wünsche verwirklichen können, wenn wir es nur
richtig machen.
Gleichzeitig erlebt jeder, dass es nicht einfach ist, über
lange Zeit mit einem Menschen so eng zusammenzuleben. Es entstehen
unauflösbare Konflikte: Der Konflikt zwischen dem Wunsch nach Bindung
und Freiheit, dem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand, zwischen Chaos
und Ordnung, zwischen Liebe und Vernunft. Und je mehr wir versuchen,
den Idealzustand herzustellen, umso wahrscheinlicher wird das
Scheitern.
In der systemischen Paarberatung geht es also vor allem auch
darum, eine Beziehung von unrealistischen Vorstellungen und Erwartungen
zu befreien und wieder zu vernünftigen, weil angemessenen Erwartungen
zurückzukommen, die zu einer guten Beziehungsqualität führen.
In problematischen Beziehungen ist eine gute und offene Kommunikation
häufig nicht mehr oder nur schwer möglich. Erwartungen werden nicht
ausgesprochen, aber eingefordert, Gefühle werden nicht oder
unangemessen formuliert, Frustration und Überforderung werden sichtbar
und belasten das Klima. Schuldgefühle entstehen und Schuldzuweisungen
werden hin- und hergereicht. Aggressionen führen zu schlechtem
Gewissen. Es gibt Opfer und Täter, und die Rollen scheinen festgelegt.
Im Laufe der Zeit entwickelte Mechanismen des Umgangs miteinander
scheinen unveränderbar, so schädlich sie auch sein mögen. Enttäuschung,
Verzweiflung, Hilflosigkeit und Resignation sind die Folgen. Die Paare
bzw. Familien drohen auseinander zu brechen.
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Die
Rolle des Therapeuten ist hier, die des neutralen Betrachters,
desjenigen, der das „System Familie“ aus einem anderen und objektiven
Blickwinkel sehen kann. Durch die Erarbeitung neuer Perspektiven auf
das familiäre Problem werden die Beteiligten dazu befähigt, selbst
Lösungen zu finden und neue Wege zu entdecken. Unrealistische
Erwartungen können identifiziert und modifiziert werden. Vorhandene
Fähigkeiten und Kompetenzen werden aktiviert und verstärkt, um sie zur
Problemlösung nutzbar machen zu können.
Auf diese Weise ist der Therapeut in der Lage, durch verschieden
Techniken und Strategien, eine familiäre Kommunikation wieder in Gang
zu setzen und alternative Handlungsmöglichkeiten, Verhaltensweisen und
Entwicklungsprozesse anzustoßen, um eine Lösung der Probleme zu
ermöglichen. Denn oft ist es nur ein kleiner Schritt, den man zur Seite
gehen muss, und die Lösung wird für alle sichtbar.
Das heißt auch, wenn ich etwas tue oder sage, womit ich selbst nicht
gerechnet hätte, wozu mein bisher erlebtes Leben nicht mehr passt, kann
sich mein erlebtes Leben und damit mein Selbstverständnis verändern:
„Meine gesprochenen Worte überraschen mich selbst und lehren mich meine
Gedanken“ (Merleau-Ponty). Darüber hinaus stellt die therapeutische
Situation eine Art „Schutzraum“ dar, in dem vieles gesagt werden kann,
ohne dass negative Konsequenzen zu befürchten sind. Allein dieser
Umstand führt schon zu mehr Kommunikation in der familiären Situation
und vor allem zur Korrektur von unausgesprochenen Vermutungen,
Interpretationen und Erwartungen und Ängsten, die sich dann häufig als
unbegründet herausstellen.
Dauer der Paarberatung
Die Dauer der Paarberatung richtet sich nach dem Bedarf der KlientInnen.
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